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Wie Unternehmen in China mit COVID-19 umgehen: Ein Interview mit dem CEO von Melchers China


Heute sprechen wir mit einem unserer strategischen Partner, Anton Melchers, CEO von Melchers China. Das Unternehmen Melchers ist seit der Eröffnung der ersten Asien-Niederlassung in Hong Kong im Jahre 1866 in China tätig. Melchers fokussiert sich auf den Verkauf von Luxusgütern, Maschinen, Industriematerialien und Ersatzteilen in China, unter anderem für die Automotive-, Luftfahrt- und Verpackungsindustrie und bietet eine Bandbreite an weiteren, ergänzenden Dienstleistungen an.

 

Könnten Sie kurz Melchers und Ihre Geschäfte in China vorstellen?

Melchers wurde 1806 in Bremen ursprünglich als Segelschiff-Reederei und Handelshaus gegründet. In den 1860ern begann die Ausweitung des Geschäfts nach Asien und führte zur Gründung der ersten Asien-Niederlassung in Hong Kong.

In den vergangenen 155 Jahren hat sich Melchers China mit der Entwicklung und Transformation der chinesischen Wirtschaft mitentwickelt. Unsere Mission ist es als langfristig orientierter Partner für ausländische Unternehmen, die in China Geschäfte machen wollen, werthaltige Lösungen und Dienstleistungen, zugeschnitten auf individuelle Anforderungen in zahlreichen Sektoren und Branchen, anzubieten.

Bei Melchers spezialisieren wir uns vor allem auf Maschinen und Industrieprodukte (in mehr als 12 Industrien), Business Software und den Luxusgüter-Einzelhandel. Wir sind ein höchst diversifiziertes Unternehmen und bieten eine ganze Reihe an Dienstleistungen an, von Vertrieb, Marketing und Distribution (als Agenten des Herstellers/des Markeneigentümers), über Kundendienst-Dienstleistungen, Einkauf und QC Dienstleistungen bis hin zu Corporate Services für Markeneigentümer. Dies beinhaltet auch das Investieren von Kapital in die Geschäftsaktivitäten unserer Partner.

 

Als eines der ältesten deutschen Mittelständischen Unternehmen, das immer noch in China tätig ist, was ist Melchers` Geheimnis für langfristiges Überleben und Erfolg in China?

Wir sind seit 155 Jahren in China tätig und haben das Potenzial zu einem noch größeren Unternehmen mit mehr Mitarbeitern und einem höheren Umsatz zu werden. Aber für uns ist die Tatsache, dass das Unternehmen in einem Land wie China mit seinem dynamischen und historischen Umfeld über einen so langen Zeitraum bestehen konnte, schon ein großer Erfolg.

Letztlich sind unsere Mitarbeiter unser größtes Kapital. Talentiertes Personal anzuziehen, zu erhalten und zu entwickeln ist die wichtigste Rolle des Unternehmens. Als Privatunternehmen hat Melchers eine langfristige Vision für seine Entwicklung und stellt deshalb seine Stakeholder und Mitarbeiter über alles andere. Wir bei Melchers streben einen persönlichen und respektvollen Austausch mit jedem Mitarbeiter an.

Offenheit und unternehmerisches Denken wurden in unserem Unternehmen schon immer großgeschrieben. Nie haben wir uns selbst auf Branchengrenzen oder Einschränkungen limitieren lassen. Wenn ein Mitarbeiter beispielsweise eine Geschäftschance sieht, dann wollen wir als Unternehmen diese aufnehmen und sie oder ihn dazu ermutigen diese Gelegenheit zu ergreifen. Dennoch wissen wir es auch zu akzeptieren, dass nicht jeder Vorstoß erfolgreich sein wird, doch wir entscheiden uns bewusst dafür, diese Gelegenheiten zu nutzen und konnten damit in und außerhalb Chinas schon neue, erfolgreiche Projekte aufbauen. Ich bin stolz sagen zu können, dass dieser Unternehmergeist ein unveränderlicher Teil der Melchers DNA und Unternehmenskultur ist, und das schon von Anfang an.

 

Wie ist Melchers mit der COVID-19-Pandemie zurechtgekommen?

Seit dem Anfang der Ausbreitung waren unsere Hauptsorgen und -anliegen die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter sowie Empathie gegenüber den betroffenen Regionen, vor allem mit jenen, in denen wir tätig sind. Während des Lockdowns haben wir regelmäßigen Kontakt zu unseren Mitarbeitern aufrechterhalten, sie über interne Maßnahmen und Richtlinien informiert, Anleitungen zum persönlichen Schutz herausgegeben und zusätzliche Krankenversicherungen sowie Schutzausrüstung für jeden Mitarbeiter gekauft. Wir haben auch an zwei Charity Organisationen, die in verschiedenen Feldern der COVID-19-Pandemie Bekämpfung und Prävention Projekte betreuen, Finanzmittel gespendet.

Wie bei allen anderen Unternehmen war auch unser Tagesgeschäft stark beeinträchtigt. Durch unsere breite Aufstellung über verschiedene Felder waren die Auswirkungen aber unterschiedlich. Im Maschinensektor beispielsweise mussten wir auf digitale Mittel zurückgreifen, um unsere Kunden trotz Reisebeschränkungen weiterhin mit Vertriebs- und Kundendienstleistungen zu bedienen und haben stattdessen Videokonferenzen, Ferndiagnose von technischen Problemen und Tools zur Zusammenarbeit zwischen Teams und Kunden implementiert.

Im Einzelhandelssektor war es hingegen wichtig, an erste Stelle die Gesundheit unseres Personals und der Kunden zu garantieren, um kein Vertrauen zu verlieren und zu zeigen, dass uns als Unternehmen nicht nur Profitabilität wichtig ist. In allen unseren Geschäften wurden Hygienemaßnahmen eingeführt, kostenlose Schutzmasken an Besucher verteilt und der Kontakt zu den Kunden über digitale Plattformen erhalten. Produkte wurden häufig reserviert und für den Kunden zur Abholung bei Aufhebung der Beschränkungen bereitgestellt.

Wir haben die Abnahme an wirtschaftlicher Aktivität genutzt, um die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter durch digitale Trainingseinheiten zu verbessern. Wir haben die Zeit für eine Evaluierung unserer Strategien genutzt und uns mit intensiver Industrie- und Kundenrecherche beschäftigt.

 

Wo sehen Sie die größten Chancen in China für Ihr Unternehmen? Auf was werden Sie sich fokussieren?

Trotz des enormen Marktpotenzials ist das Geschäftsmachen in den letzten Jahren für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in China zunehmend schwieriger geworden. In China tätig zu sein erfordert die volle Aufmerksamkeit des Management-Teams, volles Engagement für diesen Markt sowie Einsatz und Investitionen. Vor COVID-19 dachten schon viele Unternehmen über ihr Setup in China nach. Im heutigen, hochtransformativen chinesischen Wirtschaftsumfeld, wo Technologie in einer stetig wachsenden Geschwindigkeit disruptiv auf Geschäftsmodelle und Industrien einwirkt, ist es wichtiger denn je, mit einem langfristig orientierten Partner mit dem nötigen Markt-Knowhow und finanziellen Möglichkeiten zusammenzuarbeiten.

Obwohl wir nicht behaupten, in allen Industrien aktiv sein zu können, besitzen wir bei Melchers umfassende Geschäftserfahrung in China und pflegen einen rationalen, vernünftigen und pragmatischen Ansatz. Im Mai 2020 haben wir beispielsweise ein Joint Venture bestehend aus Melchers, einem deutschen Pharmaproduzenten und einem chinesischen Pharmadistributor aufgebaut. Wir haben einen Anteil übernommen, kümmern uns um die Infrastruktur und Corporate Services (wie Finanzen und HR). Als Partner vereinen wir das Beste aus drei Welten -ein relevantes Produkt, einen effektiven Vertriebskanal und eine sorgfältige Umsetzung.

In unseren Sektoren sehen wir großes Potenzial in der Distribution von Luxusgütern, wo Marken mit langfristigen Visionen nach transparenten, zuverlässigen und flexiblen Partnern suchen, um ihr Geschäft in China erfolgreich aufzustellen. Zurzeit sind wir so auch in Kontakt mit mehreren Premiummarken in verschiedenen Produktkategorien. Aber auch in unserem Maschinensektor versuchen wir neue Möglichkeiten auszuloten, beispielsweise in der Automobilindustrie, speziell bei Brennstoffzellen, oder in der industriellen Automation.

 

Mit Blick auf die Zukunft: Wie sieht Melchers die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft?

Die nächsten Jahre werden von den Folgen des Coronavirus-Ausbruchs und dessen Einfluss auf globale Supply Chains, den Konsum und die Finanzmärkte geprägt sein. Wir sind aber dennoch sicher, dass China ein Schlüsselmarkt in der globalen Wirtschaft bleiben wird, auch wenn es zunehmend auf Herausforderungen wie die „decoupling“-Debatte oder Reibungen in den Handelsbeziehungen zu der EU und den USA stoßen wird.

Klar ist, dass die Pandemie schon existierende Trends im Bereich der Digitalisierung, des E-Commerce und der Automation noch verstärken wird. China ist auf dem Weg hin zu einer digitalen und smarten Wirtschaft, angetrieben durch inländischen Konsum und Dienstleistungen und weg von Exporten und Regierungsausgaben für Infrastruktur.

Während China weiterhin wächst und viele Geschäftsmöglichkeiten für ausländische Firmen bietet, wird es immer schwieriger und kostenintensiver in China Geschäfte zu tätigen, vor allem für KMUs. Aber wie vorher erwähnt – Anpassung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wir bei Melchers haben seit 155 Jahren in China durch konstante Anpassung und das Annehmen von Veränderungen überlebt und floriert. Wir hoffen, dass diese Einstellung uns auch in den kommenden Jahren zu Erfolg verhelfen wird.

 

Dieser Blog ist ursprünglich bei dem Melchers Partner Hi-COM, einer multilingualen Agentur für Kommunikation und Lokalisierung mit jahrelanger Erfahrung auf dem chinesischen Markt, erschienen. Mit Büros in Shanghai, Guangzhou, Hongkong und Nizza unterstützt Hi-COM seine Kunden zuverlässig in mehr als 15 Industrien, unter anderem Tourismus, Gastgewerbe, E-Commerce und Einzelhandel. Den ursprünglichen Post finden Sie hier.

 

 

 

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